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Was eine Scheiße!!! Wieso habe ich so hemmungslos gefressen? Und? Was habe ich davon? Fühle ich mich jetzt etwa besser? Ja? Nein!! Ich fühle mich beschissen, mir ist speiübel und ich habe höllische Nierenschmerzen die von Minute zu Minute schlimmer werden!! Ich weiß, dass es die Nieren sind. Ich weiß auch das es daran liegt, dass ich etwas festes gegessen habe. Aber um Papi zu beruhigen spiele ich es runter! Ich will nicht das er sich Sorgen macht!! Ich habe ihn doch lieb! Und Mami in Brasilien? Die hat schon genügend Sorgen! Da muss ich nicht auch noch daherkommen und ihr eins vorjammern. Für was würde sie mich denn halten? „Mami ich hasse mich selbst weil ich gefressen habe wie eine siebenköpfige Raupe!“? Sie wird mich für verrückt halten!! Und das mit Recht! Was soll ich nur tun? Bis einschließlich Sonntag ist jetzt fasten angesagt!! Aber ist das sinnvoll? Werde ich jemals wieder aus dieser schrecklichen Hölle aus hungern und Fressen entkommen? Werde ich jemals wieder ganz normal essen können wenn ich Hunger habe und aufhören wenn ich satt bin? Werde ich jemals wieder essen können ohne danach unter solchen Schmerzen zu leiden? Ich will nicht mehr mein eigener Feind sein und gegen mich selbst kämpfen!! Ich will mich an das Frühjahr 2007 als die unbeschwerte Zeit erinnern als ich auf mein Abi lernte und glücklich war nachdem ich die letzte Prüfung hinter ich gebracht hatte!! Aber ich weiß, dass das nicht der Fall sein wird. An dieses Frühjahr werde ich mich anders erinnern als die anderen in meinem Kurs. Ich werde mich an das Frühjahr der Essenspläne, der Fastentage, des Selbsthasses und der Bauchschmerzen, Blähungen und Ängste erinnern. Ich werde mich daran erinnern, dass ich etwas besseres war als die anderen Schüler in meinem Kurs. Meine ES hat mich abgehoben von ihnen. Ja, ich war etwas besseres und etwas besseres ist einsam während sich die anderen amüsieren. Etwas besseres bleibt zuhause während die anderen gemeinsam Feste feiern und zum Abiball gehen. Ich hatte keine Freunde in der Schule. Aber wozu brauchte ich die? Schließlich war ich dünn! Ja, dünn!! Wozu auf Kursfeste gehen wo alle nur fressen? Ich brauchte nicht fressen!! Aber was kann ich mir davon kaufen? Kleinere Klamotten!! Kleinere Klamotten in denen ich mich immer noch dicker fühle und die mich dazu zwingen immer noch weniger zu essen aus Angst davor zuzunehmen. Ich werde mich daran erinnern, dass ich am Abend vor der Bekanntgabe der Themen für die Präsentationsprüfung den Kopf ins Klo steckte  und gekotzt habe bis ich nicht mehr konnte. Ich werde mich daran erinnern wie ich am nächsten Tag fraß wie ein Tier anstatt an der Präsentation zu arbeiten. Ich werde mich an die Reiswaffeln, die Currysauce, die Schokolade, das Knäckebrot, den Molkeriegel, das Zaziki, den Senf, die Marmelade und den Blätterteig erinnern. An das Sprudelwasser, die Kotzversuche die vor lauter Halsschmerzen scheiterten, die Passivität und die Unfähigkeit mit dem Fressen aufzuhören. Ich werde die Küchenschränke vor mir sehen und den verkleckerten Tisch. Ich werde die Angst vor dem nächsten Morgen auf der Waage spüren die schlimmer ist als die Angst vor dem Tod. Die Mühe das Verlangen ins Auto zu steigen um Süßigkeiten im Supermarkt zu kaufen zu unterdrücken. Meine Hände die ständig neue Dosen und Schubladen, Gläser und Packungen öffnen um mir den Inhalt in den Mund zu führen. Ich werde mich erinnern wie die Mädels (die ja alle doof sind) sich unterhalten haben in der Schule und ich schweigend daneben stand mit großem Abstand, denn ich gehörte nicht dazu. Aber das war ja gut so!! Denn wer will schon mit Menschen befreundet sein die essen? Wer möchte schon mit jemandem lachen der sich ernährt und mit Freunden essen gehen kann ohne sich dafür zu hassen? Wieso soll ich mit ihnen lachen? Ich kann genauso gut passiv unbeweglich auf meinem Stuhl sitzen bleiben und so tun als ginge mich das alles nichts an. Ja, die Schwaben sind ein komisches Volk!! Meine Probleme werden sich wie durch ein Wunder lösen wenn ich ersteinmal weit weg von hier bin! Es ist doch nicht meine Schuld das sich alles so entwickelt hat!! Nein, es waren die Schwaben!! So trifft mich keine Schuld! Demnach müssen alle Deutschen, alle Nicht-Schwaben ein ES entwickeln, die sich nach BaWü verirren, denn das geht ja nicht anders! Wenn ich mir diesen Mist noch lange einrede werde ich ihn auch irgendwann glauben!! Genauso wie ich glaube das ich von meiner heutigen Fressattacke 500 kg zugenommen habe und 2 Jahre brauchen werde sie wieder loszuwerden. Sobald ich morgen vor die Tür gehe werden Leute auf mich zeigen und rufen „ die hat aber zugenommen, schaut euch das an“. Das ist auch der Grund weshalb ich als letzte Probe meinen Oberarm mir der Hand umgreife. Berühren sich Daumen und Zeigefinger problemlos so ist alles in Ordnung und mir kann nichts passieren. Genauso ist das mit den Oberschenkeln. Ginge das allerdings nicht (weil mein Körper wie jeder andere Körper jeder normalen Frau ab und zu mal Wasser gespeichert hat) so habe ich zugenommen. Tonnenweise. Die Welt wird untergehen und ich werde niemals wieder glücklich sein, denn ich habe etwas schreckliches getan. Ich habe gegessen und alle werden sehen, dass ich gegessen habe! Was eine Schande!! Was sollen die Leute nur von mir denken? Gegessen!!  Das tut man doch nicht! Ebendeshalb muss ich ja Abführmittel zu  mir nehmen. Das ist völlig gerechtfertigt. Und warum nur die angegebene Dosis wenn die 5-fache doch viel besser wirkt? Natürlich bekomme ich Bauchschmerzen die sich wohl noch nicht einmal der Teufel selbst in  seiner untersten Hölle vorstellen kann, aber das nehme ich in Kauf. Natürlich zerstöre ich mir damit meinen Darm so nachhaltig als würde ich einen Salzsäure-Cocktail schlürfen. Aber das sind doch nur logische Konsequenzen, oder nicht!? Ich habe gehungert. Ich kann hungern. Ich bin richtig gut im Hungern! Dabei ging es mir prima abgesehen davon, dass meine Augen heute nicht mehr das Bild im Fernsehen von meinem Bett aus sehen konnten und ich kaum die Treppen hochkam (lag natürlich nur daran das ich zu wenig geschlafen habe). Und dann mache ich so was. Ich esse. Ich esse soviel als ob es um mein Leben ginge und ich glaube das ging es. Mein Körper will überleben. Also tut er das einzige mögliche und löst sich von meinem Kopf. Handelt gegen meinen Willen. Stopft mich mit essen voll. Überhäuft mich mit allem von dem ich mich selbst seit Wochen entbehre. Dabei ist er so dynamisch und so schnell, überrumpelt ich förmlich sodass ich unfähig bin mich zu wehren. Was bleibt mir da anderes übrig als mich im Nachhinein zu wehren? Erst versuche ich zu kotzen. Wenn das funktioniert hänge ich solange über der Toilette und würge mir alles wieder aus dem Hals bis die Schmerzen mich zum Aufhören zwingen. Funktioniert es nicht greife ich zu anderen Mitteln. Abführmittel. Um ganz sicher zu gehen dass sie wirken muss ich viel nehmen. Erst die doppelte Menge, dann die drei-, vier-, oder fünffache Dosis. Das nächste Mal die halbe Packung. Dann die halbe Packung gemischt mit Tropfen usw. Wenn ich Schmerzen habe weiß ich zumindest das sie wirken auch wenn ich mir denke das eine Tablette weniger wohl auch gereicht hätte.

Fazit: Was lernen wir daraus? Hungern ist gut, hungern ist Disziplin. Mein Körper ist böse weil er es wagt sich am Leben zu erhalten auch wenn ich andere Pläne habe. Essen ist noch böser weil es mich dazu bringt die Kontrolle zu verlieren, mich selbst zu hassen und Schmerzen zu haben. Es ist böse weil es schmeckt und weil es von meinem Körper benötigt wird, weil es Bestandteil von mir wird, in meinen Körper eindringt und diesen auch wieder verlässt. Daher ist es das beste ganz mit dem Essen aufzuhören.

14. Juni 2007

Sicher denkst du jetzt, wenn ihr das alles klar ist, wenn sie so genau weiß was sie tut und wie schädlich das alles ist, wenn sie das alles genau weiß warum hört sie dann nicht einfach auf damit? Weil sie schwach ist sage ich dir. Weil sie mehr Angst vor der Zahl auf ihrer Waage hat als vor dem Teufel, dem Tod oder dem 3. Weltkrieg. Weil sie völlig krumm denkt, verkorkst ist und die Essstörung ein so größer Teil ihres Charakters geworden ist, dass sie sich gar nicht mehr daran erinnern kann wie es ohne sie war. Sie kann sich nicht mehr daran erinnern. Sie hasst sich selbst und liebt die Essstörung im Gleichen Maße wie sie sie hasst! Jawohl, sie liebt sie und möchte sie nicht aufgeben. Jedoch möchte sie in ihrem Leben mit der ES die Oberhand behalten. Sie möchte die Kontrolle haben über die Magersucht und nicht als ihre Sklavin enden! Sie denkt sich das ist leicht. 44,0 kg. Das ist die oberste und die unterste Grenze. Wenn die Waage 45,0 kg anzeigt ist der Tag zerstört. Der Tag, die Woche, alle Tage bis sie wieder auf 44 steht. Steht sie auf 43,5 oder gar 43 so ist ein Fressanfall vorprogrammiert. Ihr Gehirn schaltet aus und sie fängt an zu fressen. Hemmungslos. „Ich darf nicht unter 44 kommen, so sind die Regeln, also darf ich heute essen“. Am nächsten morgen stellt sie sich auf die Waage. 46 kg. Fasten für die nächsten 8 Tage ist angesagt. Das ist gerechtfertigt, denn ich bin selbst Schuld wenn ich mich so hemmungslos befressen. Es ist ein endloser Teufelskreis aus dem es kein Entkommen gibt. Doch so schrecklich es sich anhört: Ich bereue es nicht. Ich bereue nicht das ich magersüchtig wurde. Denn wenn ich das tue habe ich endgültig und nach allen Regeln der Kunst versagt. Ich kann mich noch daran erinnern wie ich in Spanien vor dem Spiegel stand und mich ein fettes rundes Gesicht anglotzte das nicht das meinige zu sein schien. Ich kann mich noch genau an meine Gedanken erinnern. Das dünne kleine magersüchtige Mädchen dem du jetzt als gutes Vorbild eins „voressen“ musst macht es richtig. Ja, so wie sie musst du sein. Friss ruhig noch diese eine Woche weiter, denn nächstes Jahr um die Zeit wirst du auch magersüchtig sein. Von wegen gesund abnehmen!! Von wegen Normalgewicht als Vorbild! Ich möchte untergewichtig sein! Ich hasse meinen fetten Körper. Ich hasse meinen BMI von 22,5. Ich möchte dünn sein, denn sonst werde ich niemals glücklich sein. Niemals!

Seltsamerweise habe ich meistens 4 Tage lang Fressanfälle. In der Regel mit einem Tag Pause dazwischen. Das sind die schlimmsten Tage. Ich fühle mich schrecklich. Aber dann, nach 3 oder 4 Tagen flüssiger Ernährung die nicht über 300 Kcals pro Tag geht habe ich die Disziplin wieder zurück. Mit ihr die Lebensfreude und die Energie. Oder rede ich mir das ein? Nein, ich bin glücklich!! Ich habe die wunderbarsten Eltern die man sich vorstellen kann und auch sonst alles. Mir fehlt es an nichts.

Natürlich habe ich auch schon versucht gesund zu werden und jeden Tag etwas zu essen. Ich habe mich einfach mit den anderen an den Tisch gesetzt und mitgegessen. Dreimal täglich. Wie ein „ganz normaler Mensch“, aber was ist denn schon normal? Am Anfang ging es mir ganz gut. Etwa eine Woche lang. Doch dann begann ich mich zu hassen. Ich begann mich voll zu fühlen, elend und fett. Jawohl fett, fett, fett!! Ich begann das Gefühl des brennenden Hungers, zumindest glaube ich das es der Hunger ist, zu vermissen. Und mit einem Mal, von einem Tag auf den anderen kam mir der Gedanke. Warum? Warum tue ich das eigentlich? Ich sehe keinen Sinn mehr in meinem Leben ohne meine ES. Ich gehe nicht mehr aus dem Haus aus Angst das die Leute sehen können wie viel ich zugenommen habe. Ich isoliere mich noch viel mehr als zuvor. Ich hasse mich noch viel mehr als zuvor. Ich muss das nicht tun. Ich muss nicht aufhören mit meiner ES. Mit ihr bin ich glücklicher. Sie macht etwas aus mir auf das ich stolz sein kann. In diesem Moment liebte ich meine ES, vermisste sie und wünschte sie mir mit aller Kraft zurück. Ich hatte Angst das ich nicht mehr hungern könnte. Das ich es verlernt hätte. Am nächsten Tag begann ich wieder mit dem Fasten und nahm 4 kg ab bis ich wieder bei 44,0 kg und glücklich war. Ich habe es geschafft mit der Anorexie zu leben. Ich habe sie nicht verloren. Hey, ich konnte stolz auf mich sein!

Inzwischen weiß ich, dass ich sie niemals „verlieren“ werde und auch niemals verloren habe. Denn sie ist eine Sucht. Eine Sucht genauso stark und mindestens genauso gefährlich wie Drogen, Alkohol und Nikotin. Kein ehemaliger Alkoholiker bekommt irgendwann Angst das er verlernt hat wie man eine Flasche Wodka leert. Er hat es verinnerlicht und kann es jederzeit wieder tun wenn er will. Jederzeit. Das Aufhören bedeutet die Kraft zu haben die nächste Flasche nicht zu öffnen, die nächste Zigarette nicht anzuzünden oder auf die nächste Spritze zu verzichten. Bei der Anorexie ist es anders. Das aufhören ist hier kein passiver Akt. Kein Akt des Verzichtens, sondern aktiv. Man muss essen. Jeden Tag aufs neue. Irgendwann nimmt man etwas zu, fühlt sich fitter und dann, genau in diesem Zustand denkt man sich: Ich bin doch gar nicht krank. Die Leute wollen mir nur Angst machen. Sie sehen wie ich fett werde und freuen sich. Ich esse aber für sie ist es immer noch zu wenig. Ich habe keine Magersucht. Ich hatte nie Magersucht. Ich habe Fresssucht. Ich lasse mich gehen. Die Ärzte wollen das ich fett werde. Alle wollen das ich fett werde. Ich muss aufhören zu essen wenn mir überhaupt noch etwas an meinem Körper liegt.

Ich für meinen Teil habe aufgehört. Und ich fühle mich tatsächlich besser dabei. Allgemein. Manchmal verfluche ich die Essstörung, das gebe ich zu. Ohne sie hätte ich vielleicht mehr Freunde? Vielleicht würde ich unbeschwerter leben? Das ist möglich! Doch wie ein Huhn in einer Legebatterie sich in einem offenem Stall nicht wohlfühlt so fühle ich mich ohne meine ES nicht wohl. Es wird sich sicher noch alles zum Guten wenden denke ich mir. Irgendwann. Ganz von allein ohne das ich etwas tun muss. Dann werde ich zufrieden sein mit mir und meinem Körper, selbst wenn ich bei 50 kg ankäme. Dann werde ich aktiv leben und jemanden haben der mich so liebt wie ich bin. Alles wird gut. Später. Irgendwann. Nur jetzt damit anzufangen ist keine gute Idee. Nein. Jetzt nicht. Ich will ja schließlich nicht fett werden...




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